Die Stress-Studie macht folgendes deutlich:
Quelle: CH Staatssekretariat für Wirtschaft seco 2000
1. Obschon sich die grosse Mehrheit der Befragten (82,6%) gestresst fühlt, geben 70% an, dass sie ihren Stress beherrschen und dass sie bei guter Gesundheit sind.
2. Mehr als ein Viertel der Befragten (26,6%) fühlt sich oft oder sehr oft gestresst. Eine weitere Auswertung (multivariate statistische Analyse) erlaubt, eine besonders gefährdete Gruppe (12,2%) unter den oft und sehr oft gestressten Personen zu differenzieren.
3. Zusätzlich zum häufigen Stress weisen sie die folgenden Merkmale auf:
a. sie können ihren Stress nicht bewältigen,
b. sie empfinden ihre Gesundheit als schlecht und sie sehen sich deshalb gezwungen, Medikamente einzunehmen medizinische Hilfe zu beanspruchen und ihre beruflichen und privaten Tätigkeiten einzuschränken.
4. Obwohl der Stress vor allem den Arbeitsbedingungen angelastet wird, spielen Arbeit und Arbeitsumfeld oft eine wichtige Rolle bei der Bewältigung des erlebten Stresses.
5. Der Vergleich der vorliegenden Studie mit zwei früheren Umfragen (BIGA4, Bousquet5) zeigt, dass sowohl die Personen, die sich über Stresssymptome beklagen, als auch diejenigen, die sich bei schlechter Gesundheit fühlen, zahlenmässig zunehmen.
6. Obwohl sich diese Tendenz teilweise durch eine Zunahme der Ansprüche an die ärztliche Versorgung erklären lässt, darf der Einfluss gewisser ungünstiger Arbeitsbedingungen (z.B. Verdichtung der Arbeit, hohes Tempo, immer wieder Neues lernen müssen, Umstrukturierungen, etc.) nicht unterschätzt werden.
7. In Übereinstimmung mit EU-Studien kann gezeigt werden, dass sich die klassischen arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden gewandelt und zudem allgemein zugenommen haben. So leiden z.B. heutzutage viel mehr Erwerbstätige an muskulo-skelettalen Beschwerden, an Nervosität und Reizbarkeit als vor 15 Jahren.
8. Diejenigen, die sich bewusst sind, dass sie stark unter Stress leiden und diesen Stress nicht bewältigen können (12% der Befragten), verursachen pro Kopf die grössten Kosten (4'300 Fr. pro Kopf, 23% der Gesamtkosten).
9. Die grosse Gruppe der Erwerbstätigen, die angeben, mit ihrem Stress gut umgehen zu können und deshalb keine Gesundheitsprobleme zu haben (70% der Befragten), verursachen beinahe drei Viertel der gesamten Kosten (2340 Fr. pro Kopf, 72% der Gesamtkosten). Im Vergleich dazu liegen die Kosten der Gruppe der Nichtgestressten (18% der Befragten) bei 640 Fr./pro Kopf oder 5% der Gesamtsumme.
10. Die finanziellen Kosten von Stress betragen für die erwerbstätige Bevölkerung ca. 4,2 Milliarden Franken oder ca. 1,2% des Brutto-Inland-Produkts BIP
a. Medizinische Kosten: 1,4 Milliarden Franken
b. Selbstmedikation gegen Stress: 348 Millionen Franken
c. Kosten im Zusammenhang mit Fehlzeiten und Produktionsausfall: 2,4 Milliarden Franken
11. Zählt man zu den direkt dem Stress angelasteten Kosten noch diejenigen für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten hinzu, so belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen auf mind. 8 Milliarden Franken oder ca. 2,3% des BIP.